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Die Geschichte des Berglaufs

Vom keltischen Botenlauf über die britischen Fells bis zur ersten gemeinsamen Weltmeisterschaft: eine kurze Geschichte eines Sports, der in den Alpen zu Hause ist — und in der Schweiz eine seiner Wiegen hat.

Wer heute in Sierre startet und Stunden später in Zinal ankommt, reiht sich in eine überraschend lange Tradition ein. Der Berglauf — das Rennen bergauf und über Bergpfade — hat gleich mehrere Wurzeln auf verschiedenen Kontinenten, die erst spät zu einem Sport zusammenwuchsen. Dieser Beitrag zeichnet nach, wann alles begann, welche Rennen zu Legenden wurden und welche Rolle die Schweiz dabei spielt.

Wie alt ist der Berglauf wirklich?

Menschen rennen bergauf, seit es Berge und Gründe gibt, einen Gipfel zuerst zu erreichen — als Boten, Hirten oder Jäger. Als Wettkampf mit Regeln und Startliste ist der Berglauf jedoch deutlich jünger. Eine oft zitierte Legende führt ihn bis ins schottische Mittelalter zurück: König Malcolm Canmore soll um das Jahr 1040 einen Botenlauf auf den Hügel Craig Choinnich ausgeschrieben haben, um den schnellsten Läufer für seinen Hof zu finden. Belegt ist diese Anekdote nicht, doch sie zeigt, wie eng Bergrennen und Volkskultur verknüpft sind.

Wann entstand der Berglauf?

Als organisierter Wettkampf entstand der Berglauf im 19. Jahrhundert in Grossbritannien, wo Bergrennen zu den schottischen Highland Games und englischen Dorffesten gehörten. Verlässlich dokumentiert sind die Fell-Rennen ab den 1890er-Jahren, etwa am Ben Nevis. Ältere Legenden reichen bis ins Mittelalter zurück.

Ein gutes Beispiel ist Grossbritanniens höchster Berg selbst: Am Ben Nevis lief der Einheimische William Swan 1895 die erste gestoppte Besteigung, hinauf und zurück in 2 Stunden und 41 Minuten. Drei Jahre später, 1898, wurde daraus ein offizielles Wettrennen unter den Regeln des schottischen Leichtathletikverbands. Der Ben Nevis Race gehört damit zu den ältesten dokumentierten Bergrennen der Welt.

Drei Wurzeln: die Fells, die Alpen und Amerika

Der Berglauf ist nicht an einem einzigen Ort erfunden worden. Er wuchs aus drei Szenen zusammen, die lange kaum voneinander wussten. In Nordengland, Wales und Schottland entwickelte sich das Fell Running — kurze, ruppige Rennen auf offene Hügelkuppen, oft querfeldein und ohne markierte Strecke. In den Alpen liefen Bergführer und Dorfgemeinschaften ihre eigenen Wettrennen auf die Hausberge. Und in den USA entstand rund um den Pikes Peak in Colorado das Mountain Running nach amerikanischer Prägung.

Wo liegen die Wurzeln des modernen Berglaufs?

Der moderne Berglauf hat drei Wurzeln: das britische Fell Running mit kurzen, steilen Rennen, die alpinen Bergläufe der Bergführer und Dorfgemeinschaften sowie das amerikanische Mountain Running rund um den Pikes Peak Marathon von 1956. Diese Szenen wuchsen erst spät zusammen.

Der Pikes Peak Marathon hat dabei eine besonders kuriose Entstehung: 1956 schlug ein Arzt ein Rennen zwischen Rauchern und Nichtrauchern vor, um zu zeigen, wer den Weg auf den 4300 Meter hohen Gipfel und zurück schneller schafft. Aus dem Experiment wurde einer der ältesten Bergmarathons der USA, der bis heute jährlich ausgetragen wird.

Tipp

Das Gehen im steilen Gelände — heute «Power-Hiking» genannt — ist keine moderne Erfindung, sondern so alt wie der Berglauf selbst. Schon die alpinen Bergführer wechselten am steilen Hang ins zügige Marschieren. Wer neu einsteigt, darf das ohne schlechtes Gewissen tun: An steilen Anstiegen ist kraftvolles Gehen oft fast so schnell wie Laufen, kostet aber deutlich weniger Puls und Körner.

Ausgewählte Meilensteine der Berglaufgeschichte. Zusammenstellung nach Angaben der WMRA, von World Athletics, der Veranstalter und der International Skyrunning Federation.
JahrEreignisBedeutung
1895Erste gestoppte Besteigung des Ben Nevis (William Swan)Beginn der dokumentierten Fell-Rennen
1956Erster Pikes Peak Marathon in ColoradoDer Berglauf erreicht Nordamerika
1974Erste Austragung von Sierre-Zinal im WallisGeburt des alpinen Langstrecken-Berglaufs
1985Erste Berglauf-Trophy der WMRA in ItalienStart der internationalen Wettkämpfe
1992/1994Erste Skyrunning-Rennen und erster Vertical KilometerNeue, extreme Bergdisziplinen entstehen
2022Erste gemeinsame Berg- und Trail-WM in ThailandVereinigung der Disziplinen unter einem Dach

Die Schweiz: eine Heimat des Berglaufs

Kaum ein Land ist so eng mit dem Berglauf verbunden wie die Schweiz — was bei über tausend Gipfeln über 3000 Metern wenig überrascht. Den Grundstein legte 1974 ein einzelner Mann mit einer für die damalige Zeit verrückten Idee. Jean-Claude Pont, Mathematikprofessor an der Universität Genf und diplomierter Bergführer, wollte die Lücke an Bergrennen in der Schweiz schliessen und schickte die Läuferinnen und Läufer von Sierre hinauf nach Zinal.

Die erste Austragung war ein Wagnis: Rund tausend Menschen gingen an den Start, 422 erreichten das Ziel. Aus dem Experiment wurde mit Sierre-Zinal — der «Course des cinq 4000», benannt nach den fünf Viertausendern entlang der Strecke — eines der ältesten und berühmtesten Bergrennen Europas. Später kamen weitere Klassiker dazu, etwa der Jungfrau-Marathon, der seit 1993 von Interlaken bis fast auf 2100 Meter unter die Eiger-Nordwand führt.

Welche Rolle spielt die Schweiz in der Geschichte des Berglaufs?

Die Schweiz gehört zu den Wiegen des modernen Berglaufs. Mit Sierre-Zinal entstand 1974 eines der berühmtesten Bergrennen Europas, und im Wallis liegt mit dem Kilomètre Vertical de Fully die steilste offizielle Vertical-Strecke der Welt.

Dieser Kilomètre Vertical in Fully steht sinnbildlich für den Schweizer Extrembergsport: 1000 Höhenmeter auf nur rund 1920 Metern Strecke, mit einer durchschnittlichen Steigung von über 50 Prozent. Steiler geht es im Wettkampf kaum. Kein Wunder, hält der Berglauf hierzulande — vom Volkslauf bis zum Berglauf-Cup — bis heute eine feste Tradition.

Vom Volkslauf zur Weltmeisterschaft

Lange blieb der Berglauf ein bunter Flickenteppich lokaler Rennen. Das änderte sich in den 1980er-Jahren, als die Szene begann, sich international zu organisieren. 1984 gründeten Vertreter mehrerer Länder ein Komitee für den Berglauf, aus dem die World Mountain Running Association (WMRA) hervorging. Schon im September 1985 richtete sie die erste World Mountain Running Trophy aus — im italienischen San Vigilio di Marebbe, mit 115 Läuferinnen und Läufern aus zehn Nationen.

In den folgenden Jahrzehnten differenzierte sich der Sport aus. Ab 2007 gab es eigene Trail-Weltmeisterschaften, während parallel die klassischen Bergläufe weiterliefen. Der grosse Zusammenschluss kam erst 2022: In Chiang Mai in Thailand fand die erste gemeinsame Berg- und Trail-Weltmeisterschaft statt — organisiert vom Leichtathletik-Weltverband World Athletics zusammen mit der WMRA, der International Trail Running Association (ITRA) und dem Ultralauf-Verband IAU. Über 900 Athletinnen und Athleten aus 46 Verbänden traten an; erstmals liefen alle Disziplinen des Geländelaufs unter einem Dach.

Wann wurde der Berglauf ein Weltmeisterschaftssport?

International wurde der Berglauf 1985 mit der ersten Berglauf-Trophy der WMRA im italienischen San Vigilio di Marebbe. 2022 fand in Thailand die erste gemeinsame Berg- und Trail-Weltmeisterschaft unter dem Dach des Leichtathletik-Weltverbands World Athletics statt.

Berglauf, Trailrunning, Skyrunning — was ist was?

Mit dem Wachstum des Sports entstanden neue Begriffe, die oft durcheinandergeraten. Grob lassen sich drei Familien unterscheiden. Der klassische Berglauf führt bergauf oder bergauf und bergab, häufig auf Wegen und Strassen. Trailrunning meint das Laufen auf Naturpfaden abseits von Asphalt — mal flach, mal steil. Und das Skyrunning, 1992 vom italienischen Bergsteiger Marino Giacometti in den Alpen begründet, treibt das Ganze auf die Spitze: Rennen über 2000 Meter Höhe in steilstem, hochalpinem Gelände.

Aus dem Skyrunning stammt auch eine der reinsten Bergdisziplinen überhaupt: der Vertical Kilometer, erstmals 1994 im italienischen Cervinia ausgetragen. Die Regel ist einfach und brutal — 1000 Höhenmeter bergauf auf höchstens fünf Kilometern Strecke, ohne einen einzigen flachen Meter.

Was ist der Unterschied zwischen Berglauf, Trailrunning und Skyrunning?

Berglauf meint klassisch das Rennen bergauf oder bergauf und bergab, oft auf Wegen. Trailrunning bezeichnet das Laufen auf Naturpfaden abseits von Asphalt. Skyrunning ist die extremste Variante, 1992 in den italienischen Alpen entstanden, und führt in steilstes, hochalpines Gelände über 2000 Meter.

Wer sich von dieser Geschichte anstecken lässt und heute selbst am Berg starten möchte, muss nicht gleich in die Höhe des Skyrunnings streben. Der Einstieg beginnt mit lockeren Läufen an Hügeln und wächst von dort. Wer strukturiert schneller werden will, greift oft zu Methoden wie dem Intervalltraining, das im Berglauf längst angekommen ist. Und weil in den Bergen das Wetter jederzeit umschlagen kann, gehört auch das Laufen bei Kälte im Winter zum Repertoire jeder Bergläuferin und jedes Bergläufers.

Achtung — Sicherheit am Berg

Die Geschichte des Berglaufs ist auch eine Geschichte des Respekts vor dem Gelände. Prüfe vor jeder Tour Wetter und Route, nimm genug zu trinken und ein geladenes Handy mit und sag jemandem, wohin du läufst. Bei einem medizinischen Notfall wählst du in der Schweiz die Sanitätsnotrufnummer 144, für die Bergrettung die Rega unter 1414. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Häufige Fragen

Wann entstand der Berglauf?

Als organisierter Wettkampf entstand der Berglauf im 19. Jahrhundert in Grossbritannien, wo Bergrennen zu den schottischen Highland Games und englischen Dorffesten gehörten. Verlässlich dokumentiert sind die Fell-Rennen ab den 1890er-Jahren, etwa am Ben Nevis. Ältere Legenden reichen bis ins Mittelalter zurück.

Was ist das älteste Bergrennen?

Zu den ältesten dokumentierten Bergrennen zählt der Ben Nevis Race in Schottland: Die erste gestoppte Besteigung datiert auf 1895, das erste Wettrennen auf 1898. In Kontinentaleuropa gilt Sierre-Zinal, seit 1974 ausgetragen, als einer der ältesten grossen Bergläufe.

Wo liegen die Wurzeln des modernen Berglaufs?

Der moderne Berglauf hat drei Wurzeln: das britische Fell Running mit kurzen, steilen Rennen, die alpinen Bergläufe der Bergführer und Dorfgemeinschaften sowie das amerikanische Mountain Running rund um den Pikes Peak Marathon von 1956. Diese Szenen wuchsen erst spät zusammen.

Was ist der Unterschied zwischen Berglauf, Trailrunning und Skyrunning?

Berglauf meint klassisch das Rennen bergauf oder bergauf und bergab, oft auf Wegen. Trailrunning bezeichnet das Laufen auf Naturpfaden abseits von Asphalt. Skyrunning ist die extremste Variante, 1992 in den italienischen Alpen entstanden, und führt in steilstes, hochalpines Gelände über 2000 Meter.

Wann wurde der Berglauf ein Weltmeisterschaftssport?

International wurde der Berglauf 1985 mit der ersten Berglauf-Trophy der WMRA im italienischen San Vigilio di Marebbe. 2022 fand in Thailand die erste gemeinsame Berg- und Trail-Weltmeisterschaft unter dem Dach des Leichtathletik-Weltverbands World Athletics statt.

Welche Rolle spielt die Schweiz in der Geschichte des Berglaufs?

Die Schweiz gehört zu den Wiegen des modernen Berglaufs. Mit Sierre-Zinal entstand 1974 eines der berühmtesten Bergrennen Europas, und im Wallis liegt mit dem Kilomètre Vertical de Fully die steilste offizielle Vertical-Strecke der Welt.

Quellen

  1. World Mountain Running Association (WMRA). About Mountain Running — A Brief History. wmra.info. Abgerufen 2026. https://www.wmra.info/about/
  2. World Athletics. Mountain Running — Discipline & History. worldathletics.org. Abgerufen 2026. https://worldathletics.org/disciplines/mountain-running/mountain-running
  3. Sierre-Zinal. History & Winners since 1974. sierre-zinal.com. Abgerufen 2026. https://www.sierre-zinal.com/en/history-71.html
  4. Ben Nevis Race Association. The Ben Nevis Race — History. bennevisrace.co.uk. Abgerufen 2026. http://www.bennevisrace.co.uk/
  5. Pikes Peak Marathon. History of the Race. pikespeakmarathon.org. Abgerufen 2026. https://www.pikespeakmarathon.org/
  6. International Skyrunning Federation (ISF). History & the Vertical Kilometer. skyrunning.com. Abgerufen 2026. https://www.skyrunning.com/history/
  7. World Athletics. Inaugural World Mountain and Trail Running Championships, Chiang Mai 2022 — Preview. worldathletics.org. 2022. https://worldathletics.org/news/preview/world-mountain-trail-running-championships-chiang-mai
  8. Vernillo G, Giandolini M, Edwards WB, et al. Biomechanics and Physiology of Uphill and Downhill Running. Sports Medicine. 2017;47(4):615–629. doi:10.1007/s40279-016-0605-y
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