Ratgeber · Einstieg

Trainingsplan erstellen

Kein Plan aus dem Internet passt zu deiner Woche. Wer die wenigen Prinzipien versteht, die wirklich zählen, baut sich in wenigen Minuten einen Plan, den er auch einhält.

Ein guter Trainingsplan ist kein starres Programm, das du irgendwo herunterlädst, sondern eine Struktur, die zu deinem Ziel, deiner verfügbaren Zeit und deinem aktuellen Stand passt. Dieser Leitfaden aus unserem Laufsport-Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deinen Plan selbst baust – und welche Regeln du getrost lockerer sehen darfst, als das Internet glauben macht.

Was ein Trainingsplan leisten muss

Bevor du Tage und Kilometer in eine Tabelle einträgst, lohnt der Blick auf das grosse Ganze. Ein Plan steuert im Kern nur drei Grössen – und alles andere ergibt sich daraus. Diese drei Stellschrauben sind der Umfang (wie viel du insgesamt läufst), die Intensität (wie schnell) und die Erholung (wann du bewusst pausierst). Gerät eine davon aus dem Gleichgewicht, leidet meist nicht die Fitness, sondern die Belastbarkeit.

Was gehört in einen Trainingsplan?

Ein Trainingsplan regelt drei Dinge: den Umfang, die Intensität und die Erholung. Alles Weitere – Strecken, Übungen, konkrete Tempi – leitet sich daraus ab. Wer diese drei Stellschrauben im Gleichgewicht hält, trainiert planbar und hält das Risiko für Überlastungsbeschwerden klein. Genau deshalb steht am Anfang das Ziel, nicht der Trainingstag.

In 5 Schritten zum eigenen Plan

Der schnellste Weg zu einem tragfähigen Plan führt über eine feste Reihenfolge. Arbeite die fünf Schritte einmal von oben nach unten durch – danach hast du eine Wochenstruktur, die du beliebig oft wiederholen und anpassen kannst.

  1. Ziel festlegen. Ein erster durchgelaufener 5-Kilometer-Lauf, 30 Minuten am Stück oder einfach dreimal pro Woche joggen – je konkreter das Ziel, desto einfacher der Plan.
  2. Häufigkeit wählen. Lege fest, an wie vielen Tagen du realistisch laufen kannst. Für den Einstieg sind drei Tage ideal.
  3. Intensität verteilen. Mache die grosse Mehrheit deiner Läufe bewusst langsam und plane höchstens eine flottere Einheit ein.
  4. Steigerung planen. Erhöhe Umfang oder Tempo nur behutsam und nie beides gleichzeitig in derselben Woche.
  5. Erholung einbauen. Ruhetage und alle drei bis vier Wochen eine leichtere Entlastungswoche gehören fest in den Plan – nicht als Notlösung, sondern als Trainingsbestandteil.

Wie oft pro Woche sollte ich laufen?

Für den Einstieg reichen drei Laufeinheiten pro Woche, mit je einem Ruhetag dazwischen. Das entspricht auch der Grössenordnung, die die Weltgesundheitsorganisation für gesundheitswirksame Bewegung nennt: 150 bis 300 Minuten moderate Aktivität pro Woche. Mehr als vier bis fünf Läufe braucht kaum jemand, der nicht gezielt auf einen Wettkampf hinarbeitet.

Beispiel für eine Einsteigerwoche mit drei Läufen. Die Zeiten sind Orientierung, keine Vorgabe – passe sie an deinen Stand an.
TagEinheitFokus
MontagRuhe oder lockeres GehenErholung
Dienstag30 Min. lockerer Dauerlauf (Gehpausen erlaubt)Grundlage
MittwochRuhe oder leichtes Krafttraining (20 Min.)Stabilität
Donnerstag30 Min. lockerer DauerlaufGrundlage
FreitagRuheErholung
Samstag35–40 Min. locker, am Schluss 4 × 1 Min. zügigerReiz
SonntagRuhe oder SpaziergangErholung
Tipp

Plane die Woche rückwärts: Trage zuerst deine sicheren Ruhetage und festen Termine ein, dann verteilst du die Läufe auf die freien Tage. So entsteht ein Plan, den du auch in einer vollen Woche einhältst – statt eines Idealplans, der beim ersten Zeitdruck zerbricht.

Das 80/20-Prinzip: leicht und schwer richtig mischen

Der häufigste Fehler von Einsteigern ist nicht zu wenig Training, sondern ständig im gleichen, mittelharten Tempo zu laufen. Deutlich robuster ist eine klare Trennung: sehr viele ruhige Läufe, wenige harte. Bei gut trainierten Ausdauersportlerinnen und -sportlern beobachtet man immer wieder ein ähnliches Muster – rund 80 Prozent der Einheiten in niedriger Intensität, etwa 20 Prozent im intensiven Bereich. Diese Aufteilung, oft als polarisiertes Training bezeichnet, lässt sich auf den Alltag übertragen: Die meisten deiner Läufe sollten sich leicht anfühlen.

Wie schnell soll ein lockerer Lauf sein?

So langsam, dass du dich nebenbei noch in ganzen Sätzen unterhalten könntest – der sogenannte Plaudertest. Rund 80 Prozent deiner Läufe gehören in diesen ruhigen Bereich, nur etwa ein Fünftel ins zügige Tempo. Wer den lockeren Lauf zu schnell angeht, sammelt Ermüdung, ohne den eigentlichen Nutzen des ruhigen Trainings mitzunehmen.

Wie schnell darf ich steigern? Die Wahrheit über die 10-%-Regel

Kaum eine Faustregel wird so oft zitiert wie die 10-Prozent-Regel: Steigere deinen Wochenumfang um höchstens zehn Prozent. Der Gedanke dahinter ist richtig – der Körper braucht Zeit, um sich anzupassen. Nur ist die konkrete Zahl kein Naturgesetz. Eine randomisierte Studie mit über 500 Laufanfängern zeigte, dass ein Plan nach der 10-Prozent-Regel die Verletzungsrate nicht senkte: In beiden Gruppen verletzten sich rund 20 Prozent. Eine spätere Beobachtungsstudie deutet an, dass vor allem sehr grosse Sprünge riskant sind – wer den Umfang innert zwei Wochen um mehr als 30 Prozent hochschraubt, scheint anfälliger für belastungsabhängige Beschwerden zu sein.

Ist die 10-Prozent-Regel bewiesen?

Nein. Die Regel, den Umfang pro Woche um höchstens zehn Prozent zu erhöhen, klingt vernünftig, ist aber nicht gut belegt. Eine randomisierte Studie fand damit keine geringere Verletzungsrate als mit einem Standardplan. Als Leitplanke taugt der Grundsatz trotzdem: langsam steigern schadet nicht – nur ist die genaue Prozentzahl nicht magisch.

Achtung

Schmerzen sind kein Trainingsreiz. Wer Umfang oder Tempo zu schnell erhöht, riskiert Überlastungsbeschwerden an Knie, Schienbein oder Achillessehne. Reduziere bei anhaltenden Schmerzen die Belastung – und lass Beschwerden, die über mehrere Tage nicht abklingen, ärztlich abklären.

Den Plan an dein Leben anpassen

Ein Plan auf dem Papier trifft auf eine Woche voller Termine, Wetter und Alltag. Genau hier entscheidet sich, ob er funktioniert. Sportwissenschaftler argumentieren zunehmend, dass starre, allgemeingültige Trainingsschemata weniger gut belegt sind, als es die Tradition vermuten lässt – Menschen reagieren unterschiedlich auf dieselbe Belastung. Ein guter Plan ist deshalb flexibel: Er gibt eine Richtung vor, lässt aber Anpassungen zu, ohne dass gleich alles ins Wanken gerät.

Was tun, wenn ich eine Einheit verpasse?

Streiche sie und mach mit der nächsten geplanten Einheit weiter – hol nichts nach. Ein einzelner verpasster Lauf wirft dich nicht zurück; zwei zusätzliche Läufe zum Aufholen erhöhen dagegen die Belastung schlagartig. Ein Plan ist ein Werkzeug, kein Vertrag. Passt er in einer Woche nicht, passt du den Plan an, nicht umgekehrt.

Tipp

Bewerte jede Einheit direkt danach auf einer Skala von 1 (sehr leicht) bis 10 (maximal hart). Häufen sich hohe Werte über eine Woche, ist das ein Signal, eine leichtere Woche einzuschieben. Dieses einfache Mass hilft, die Gesamtbelastung im Blick zu behalten, bevor sie zu gross wird.

Wer beim Bauen des Plans zusätzlich an der Bewegungsqualität arbeitet, kommt schneller voran. Ein sauberer Laufstil und eine gute Technik machen ruhige Läufe effizienter, und wer ganz am Anfang steht, findet in unserem Leitfaden Laufen für Anfänger die passende Grundlage für die ersten Wochen.

Häufige Fragen

Wie viele Wochen sollte ein Trainingsplan umfassen?

Für ein konkretes Ziel wie einen ersten 5- oder 10-Kilometer-Lauf sind 8 bis 12 Wochen üblich. Diese Zeit reicht, um den Umfang schrittweise aufzubauen und am Ende eine kurze Entlastungsphase einzuplanen. Ohne festes Ziel genügt ein rollender Plan über drei bis vier Wochen, den du danach neu bewertest.

Wie oft pro Woche sollte ich als Einsteiger laufen?

Drei Läufe pro Woche mit einem Ruhetag dazwischen sind ein guter Start. Das liegt im Rahmen der WHO-Empfehlung von 150 bis 300 Minuten moderater Bewegung pro Woche und lässt genug Zeit zur Erholung. Steigere die Häufigkeit erst, wenn sich drei Einheiten über mehrere Wochen stabil anfühlen.

Brauche ich einen Ruhetag zwischen den Läufen?

Als Einsteigerin oder Einsteiger ja. Zwischen zwei Läufen sollte mindestens ein Tag ohne Laufbelastung liegen, weil sich Muskeln, Sehnen und Knochen langsamer anpassen als das Herz-Kreislauf-System. An freien Tagen sind lockeres Gehen, Radfahren oder leichtes Krafttraining sinnvoll – sie belasten die Laufstrukturen kaum.

Sollte ich mich strikt an die 10-Prozent-Regel halten?

Nicht als starre Vorschrift. Die 10-Prozent-Regel ist eine grobe Faustregel, kein bewiesenes Gesetz: In einer randomisierten Studie senkte sie die Verletzungsrate nicht. Sinnvoll bleibt der Grundgedanke, den Umfang eher langsam als sprunghaft zu erhöhen und grosse Sprünge von über 30 Prozent pro Woche zu vermeiden.

Kann ich Laufen und Krafttraining kombinieren?

Ja, das ergänzt sich gut. Die WHO empfiehlt zusätzlich zum Ausdauertraining an mindestens zwei Tagen pro Woche muskelkräftigende Übungen. Lege Krafteinheiten am besten auf lauffreie Tage oder nach einem lockeren Lauf, damit die harten Laufeinheiten erholt und mit voller Konzentration stattfinden.

Wann sollte ich meinen Plan fachlich prüfen lassen?

Wenn du gesundheitliche Vorbelastungen hast, lange nicht aktiv warst oder während des Trainings ungewohnte Beschwerden auftreten, ist ein Check sinnvoll. Trainingsplanung ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Schmerzen, die über mehrere Tage anhalten, wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen

  1. Seiler S. What is best practice for training intensity and duration distribution in endurance athletes? Int J Sports Physiol Perform. 2010;5(3):276–291. doi.org/10.1123/ijspp.5.3.276
  2. Buist I, Bredeweg SW, van Mechelen W, et al. No effect of a graded training program on the number of running-related injuries in novice runners: a randomized controlled trial. Am J Sports Med. 2008;36(1):33–39. doi.org/10.1177/0363546507307505
  3. Nielsen RØ, Parner ET, Nohr EA, et al. Excessive progression in weekly running distance and risk of running-related injuries. J Orthop Sports Phys Ther. 2014;44(10):739–747. doi.org/10.2519/jospt.2014.5164
  4. Foster C. Monitoring training in athletes with reference to overtraining syndrome. Med Sci Sports Exerc. 1998;30(7):1164–1168. doi.org/10.1097/00005768-199807000-00023
  5. Kiely J. Periodization paradigms in the 21st century: evidence-led or tradition-driven? Int J Sports Physiol Perform. 2012;7(3):242–250. doi.org/10.1123/ijspp.7.3.242
  6. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S, et al. World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Br J Sports Med. 2020;54(24):1451–1462. doi.org/10.1136/bjsports-2020-102955
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um Sport und Ernährung und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungsberaterische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.